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STRUCTURE

EIN REICH DES ZWISCHEN // die KOMPETENZ der FORM

„Jenseits des Subjektiven, diesseits des Objektiven, auf dem schmalen Grad, darauf Ich und Du sich begegnen, ist das Reich des Zwischen. Das ‚Reich des Zwischen‘ (…) hat die spezifische Beachtung nicht gefunden, weil es (…) keine schlichte Kontinuität aufweist, sondern sich nach Maßgabe der menschlichen Begegnung jeweils neu konstituiert; (…)„
Martin Buber, „Das Problem des Menschen“ zitiert aus: Forum 8/1959, S.249
Der Entwurf versteht sich als Beitrag zum Neostrukturalismus. Er soll ein Weiterdenken des Strukturalismusgedanken der 60er Jahre anregen. Dabei geht es jedoch weniger um eine digitalisierte moderne Interpretation. Sondern um die Rückbesinnung auf die einfachsten Grundgedanken der Schöpfer, kombiniert mit der Nutzung von hoch modernen Materialien und den statischen Freiheiten der heutigen Zeit. Der Fokus liegt dabei auf dem anthropologisch orientierten (strukturalistischen) Ansatz, wie ihn u.a. Aldo van Eyck oder auch Hermann Hertzberger in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts geprägt haben. Das Zitat Martin Bubers, einer der Quellen Aldo van Eycks, dient dabei als Leitgedanke des Konzepts. Ein Konstrukt, das soweit flexibel ist, dass es je nach ‚Maßgabe der menschlichen Begegnung‘ einen dafür passenden Raum generieren kann.
Im Terminus Hertzbergers: Eine Form, die sich durch ihre ‚competence‘ -also der Möglichkeit sich interpretieren zu lassen- auszeichnet und so eine hohe ‚performance‘ -Art und Weise wie sie in einem bestimmten Kontext interpretiert wird- zulässt. Dafür werden Struktur und Programm von einander getrennt. Der Form wird kein vorher festgelegter Inhalt zugewiesen. Sie ist am Anfang vielmehr programmlosund passt sich mit der Einfüllung des Inhalts an. Zunächst besteht diese Form aus einer unveränderlichen, notwendigen Struktur. Eine ‚starke‘ Struktur, welche aus der Addition von genormten Räumen entsteht. Diese genormten Räume bilden die Grundlage für jedes Programm und übernehmen verschiedenste Funktionen, je nach dem was die aktuelle Nutzung verlangt. Sie reihen sich zu zwei parallelen Außenwänden auf, die sowohl vertikal als auch horizontal beliebig erweiterbar sind. Die beiden Wände erfüllen gebäudetechnische Aufgaben und dienen als Grundstein für das statische Konzept. Zwischen diese ‚starke‘ Struktur legt sich im Weiteren eine zweite, ‚sanfte‘ Struktur.
Ein variables ‚Dazwischen‘, das jegliche Raumkonstellation zulässt und einzig durch das aktuelle Programm bestimmt wird. Ein gitterförmiges Fassadensystem schließt die Enden der beiden Außenwänden. Es kann je nach Nutzung entsprechend verändert werden und gewährleistet durch die Fortsetzung des eingeführten Rasters der beiden Betonwänden ein einheitliches Erscheinungsbild nach Außen. Frei nach der Lehre von Hermann Hertzberger beruht der Entwurf auf dem strukturalistischem Grundsatz einer das Ganze umhüllenden Form, „(…) die alles, was sich darin abspielt integriert, ohne im einzelnen darauf einzugehen. Die Möglichkeit bleibt offen, jederzeit die unterschiedlichsten Veränderungen vorzunehmen, ohne die städtebauliche Identität des Ganzen wesentlich zu beeinträchtigen.(…)“ 1
Die gestalterische Freiheit im Inneren wird durch das statische Prinzip gewährleistet. Im Extremfall können vertikale Lasten vollständig über die ‚starke‘ Struktur abgetragen werden. Die beiden Außenwände sind wie bei einem Regal durch eine Mindestanzahl von Verbindungen untereinander ausgesteift. Der restliche Raum kann dann frei mit ‚sanfter‘ Struktur befüllt werden. Diese wird von entsprechend dimensionierte Holzträgern getragen, die von einer Außenwand zur anderen spannen und mit Holzplattformen belegt werden können. Ein kleinteiliger Grundriss, ein stützenfreier Raum, oder die Kombination aus beiden sind geschossübergreifend möglich. Die Wahl der Materialien hängt stark mit dem statischen System zusammen und soll zudem die theoretische Aussage die hinter den beiden Strukturen steht spürbar machen. Die genormten Räume bestehen -als Fertigbauteil- aus Infraleichtbeton. Sie werden mit hochverdichtetem Beton verbunden und bilden so eine feste Einheit, die jederzeit erweitert werden kann. Die besonderen Eigenschaften des Infraleichtbetons ermöglichen es, sowohl innen, als auch außen den Beton wahrnehmbar zu machen, der den Charakter einer dauerhaften Struktur vermittelt. Die Räume öffnen sich keilförmig zum Innenraum. An der Außenseite werden mit entsprechendem Materialaufwand  Wärme-/Kältebrücken vermieden, aber an der Innenseite Material gespart und der Raum vergrößert. Außerdem wird das allgegenwertige Raster auf diese Weise nach Innen filigraner. Mit vorfabrizierten Öffnungen an den Seiten der Räume, die entweder als Durchgang oder als Wandschrank genutzt werden können, lassen sich auch Raumketten bilden. Zudem bilden die beiden Außenwänden mit ihrem kassettenartigen Aufbau aus Infraleichtbeton eine klimatische Pufferzone zum Zwischenraum. Holz für die Einfüllung wiederum vermittelt als Gegensatz einen flexiblen, veränderlichen Charakter und ist leicht anzupassen. So können mit angemessenen Aufwand Durchbrüche in vertikaler und horizontaler Richtung durchgeführt werden.
1   Verlag 010 Publishers  „Hermann Hertzberger Projekte 1990 -1995 S.6
Wrangelstr.52
10997 Berlin
mail@siebeneck.berlin