Wiesenburg 2.0

GESCHICHTE

Im Jahr 1896 errichtete der „Berliner Asylverein für Obdachlose“ ein Asyl in der Wiesenstraße im Arbeiterviertel Wedding. 1907 wurde die Wiesenburg mit dem Frauenasyl um weitere 400 Betten erweitert. Während der beiden Weltkriege kam es zu kleineren Umstrukturierungen und schwerwiegenden Umnutzungen. Zwangsarbeiter nähten und färbten mit hier Hakenkreuzfahnen und Metallgießer gossen Munition für den Krieg. 1944/45 wurde das Gebäudeensemble von einer Brandbombe größtenteils zerstört.
Im Verlauf der folgenden 50 Jahre hat sich die Natur große Bereiche des Grundstücks langsam zurückerobert. Andere Räume wurden in Eigenleistung einiger Künstler Gewerbetreibenden wieder nutzbar gemacht. Das ehemalige Verwaltungsgebäude wird heute von 8 Mietparteien (u.a. den Nachfahren der Gründerfamilie bewohnt.)
Nach einem langen Rechtsstreit ging die Wiesenburg im November 2014 vom Privatbesitz der Nachkommen in den Besitz der Stadt über. Im Rahmen der wachsenden Nachfrage nach neuem Wohnraum in Berlin plant die degewo, das Gelände zu verdichten und neue Wohnungen darauf zu errichten. Mit dieser Absicht hat die Wohnungsbaugesellschaft ein Werkstattverfahren eröffnet, auf dessen erster Stufe ein architektonisches, städtebauliches Konzept entwickelt werden soll, welches der zukünftigen Entwicklung der Wiesenburg eine Richtung geben soll.
Die Bewohner und Künstler auf der Wiesenburg haben sich als Verein zusammengeschlossen und besetzen 2 Juryplätze im Rahmen des partizipativen Werkstattverfahrens. Für den Verein arbeiteten wir einen Entwurf für die Zukunft der Wiesenburg aus und präsentierten diesen im Verlauf des Werkstattverfahrens.

ENTWURF

Eine städtebauliche Analyse ergab eine hohe Eignung des Grundstücks einen kulturellen Nachbarschaftstreffpunkt zu etablieren, der sowohl für die neuen Bewohner auf dem Gelände als auch für dieumliegende Nachbarschaft ein hohes Maß an Lebensqualität bietet. Unter diesem Aspekt war vor allem die Öffnung des zurückgesetzten Geländes und die Planung des Außenraums mit differenzierter Platzausbildung von zentraler Bedeutung. Der historische Bestand erforderte eine architektonische Lösung für den Dialog zwischen Alt und Neu. Auf städtebaulicher Ebene zerlegt der Entwurf die Ruine in einer Siedlungsstruktur mit lockerer Durchwegung und spannt zusammen mit den Neubauten zwei zentrale PLZ tze aus. Der Kultufhof ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs, der Garten bietet eine Möglichkeit des Rückzugs und der Ruhe. Dort wo die Neubauten an die Ruine angrenzen, entsteht ein grüner Gartenraum innerhalb der alten Mauern. Das Neue zieht sich vor dem Alten zurück und es entsteht eine spannnende Pufferzone.
Die neu entstandenen Gewerbeflächen wurden während des Entwurfs mit bereits konzeptionell mit neuen Aktueren gefüllt, die sich vorstellen könnten auf der Wiesenburg tätig zu werden. Für die neue Bewohner ist eine bunte Durchmischen vorgesehen, weshalb die Wohnungsgrundrisse von der Single bis zur Familienwohnung reichen, immer nach den Vorgaben förderbaren Wohnraums. Die Erschließung erfolgt über Laubengänge die zum Garten ausgerichtet sind und durch Rücksprünge in der Fassade gegliedert werden. Dadurch entsteht ein hohes Maß an Begegnung und Austausch unter den Bewohnern, sowie ein saisonaler Raumgewinn für die Bewohner.